Sammlung kleinerer deutscher Gedichte

Innsbruck, Landesmuseum Ferdinandeum, Codex FB 32001, um 1456
Ausstattung:
Graz 1972. Vollständige Studien-Ausgabe der 228 Seiten (114 Blatt) im Originalformat 295 x 210 mm. 51 kolorierte Federzeichnungen. 2 Seiten werden voll in Farben wiedergegeben, der Rest in Schwarz-Weiß. Einband: Halbleder.

Kommentar:
N. R. Wolf, Innsbruck, 60 Seiten.
Auf Anfrage

Der Innsbrucker Codex ist eine wichtige Sammelhandschrift mittelalterlicher Kurzepik. Er ist besonders für die Märenforschung eine bedeutende Quelle, weil er die jüngste Sammlung mit Gedichten dieser Gattung darstellt. Neben 32 Mären (u. a. von Konrad von Würzburg, dem Stricker, Rüdiger von Hinkhofen) enthält die Handschrift noch Fabeln, Bispeln und Parodien auf geistliche Literatur, im Ganzen eine weltliche Kollektion unterhaltsamer Erzählungen, die schon ganz auf den "bürgerlichen" Geschmack des späten Mittelalters abgestimmt sind.

Für die Literaturforschung ist die Handschrift nicht zuletzt auch wegen ihrer zahlreichen Illustrationen interessant, die dem Stil einer "Volkshandschrift" (H. Wegener) entsprechen und deutliche Hinweise darauf geben, wie damals diese Gedichte verstanden wurden; sind doch sonst nur wenige Märenillustrationen erhalten.

Im zweiten Teil der Handschrift, der der Sammlung auf leer gebliebenen Blättern angefügt wurde, findet sich die zweite wichtige Abschrift des "Gauriel von Muntabel" Konrads von Stoffeln, deren Schluss leider fehlt. Auch diese Niederschrift ist für die Literaturgeschichte von großer Bedeutung, weil hier versucht wurde, Konrads Epos im Vergleich zur älteren Fassung in der Donaueschinger Handschrift zu straffen.