Der Codex Albensis

Graz, Universitätsbibliothek, Codex 211, Ungarn, 1. Hälfte des 12. Jh.
Ausstattung:
Graz–Budapest 1963. Zweifarbige Studienausgabe, 8 Seiten im Vierfarbdruck. 160 Blatt im Format 272 x 185 mm. Die Ausgabe erfolgt nach den Methoden der „Paleographie Musicale“. Halbleder.

Kommentar:
Z. Falvy und L. Mezey, Budapest, 180 Seiten. Mit einer Zusammenfassung.
Auf Anfrage

Der Codex Albensis ist in Ungarn in der 1. Hälfte des 12. Jh.s entstanden. Dies wird durch das Offizium bewiesen, das zu Ehren von König Stephan, der von 1001 – 1038 regierte, komponiert wurde.

Textliche Analysen haben gezeigt, dass das Original, das als Grundlage diente, um 1000 in St. Gallen entstanden ist. Der Codex gehört dem ältesten Antiphonartypus in Europa an. Die Notation ist mit geringen Unterschieden die gleichmäßige Notation von St. Gallen.

Unter dem Text des Protomärtyrer-Stephan-Offiziums sind eine Reihe von Federzeichnungen angebracht: ein Jäger, der einen Hirsch verfolgt und weitere Tierbilder. Sie alle erinnern an jene maskierten Spielleute, die am zweiten Weihnachtstag und an den darauf folgenden Tagen, in verschiedene Tierhäute gekleidet, das Land durchwanderten, die sog. Regölés, und Lieder zu Ehren König Stephans sangen. Durch seine Zeichnungen und durch seine Abweichungen vom süddeutschen Vorbild ins volkstümlich Ungarische ist der Codex auch von historischem Interesse, denn er ist eine der ersten Äußerungen der damals erst seit einigen Jahrzehnten in diesem Raum angesiedelten Ungarn. Hier in diesem Gebiet fanden die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Schichten des ungarischen Volkes statt, die eine, heidnische, in ihrer alten Stammesverfassung lebende, wollte weiter Europa durchstürmen und auf Beute ausgehen, die andere, christliche, unter Führung von König Stephan, begründete den neuen Staat und die neue Kirche.