Das Tacuinum Sanitatis

Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. Vindob. 2396, Venedig, um 1490
Ausstattung:
Entstehungszeit der Handschrift: um 1490, Venedig.
Faksimile:
Graz 1984. Vollständige farbige Faksimile-Ausgabe unter Berücksichtigung einer originalgetreuen Goldreproduktion der Handschrift im Originalformat 175  x 265  mm. Insgesamt 82 Seiten, pro Seite 4 Miniaturen. Insgesamt 294 Miniaturen. Einband: Leder. Die einzelnen Blätter sind originalgetreu randbeschnitten.

Wissenschaftlicher Kommentar:
Kodikologische Beschreibung von J. Rössl, Wien. Medizinhistorische Einleitung sowie Transkription und Übersetzung des Textes der Handschrift von H. Konrad, Innsbruck. 184 Seiten.
Faksimile und Kommentar in festem Schuber.

Limitierte Auflage: 980 nummerierte Exemplare.

Dokumentation erhältlich
Auf Anfrage

Der Codex Vindobonensis 2396 ist dem Buchtyp der sogenannten Tacuinum Sanitatis-Handschriften zugeordnet. Die Tradition, solche Gesundheitsbücher in tabellarischer Übersicht anzulegen, geht auf das arabische Werk Taqwin As-Sihha des Arztes Ibn Bôtlan zurück, der in der Mitte des 11. Jh.s in Bagdad lebte. Wohl am Hofe König Manfreds von Sizilien (1258–1266) wurde von der arabischen Originalfassung eine lateinische Übersetzung hergestellt. Diese Tabellen waren ursprünglich nicht illuminiert, verschmolzen aber mit den reinen Bilderhandschriften, den Herbarien antiker Tradition, zu dem vorliegenden neuen Buchtyp.

Das hier wiedergegebene Wiener Tacuinum Sanitatis ist die umfangreichste und geordnetste Rezeptsammlung für den „Hausgebrauch“ aller bisher bekannten bebilderten Tacuina Sanitatis. Alle 294 Einzelkapitel sind mit Bildern versehen.
Diese „Gesundheitstafeln in Tabellenform“ gehen wohl auf das Vorbild der arabischen astronomischen Tafeln zurück. Die ursprüngliche Tabellenform des Ibn Bôtlan war so angelegt, dass in der waagrechten Reihe jeweils „Name, Natur, besser ist …, Nutzen, Schaden, Verhütung des Schadens, Lebensalter, Gelehrtenzitate“ angeführt waren, in senkrechter Reihe die Angaben für meist sieben Drogen oder Verhaltensweisen, ein System, das den Vorteil hatte, eine gewünschte Angabe jeweils nur in einer Spalte suchen zu müssen.

Die Handschriften verfügten jedoch nur selten über Indizes zur raschen Auffindung der Pflanzen und anderer Begriffe. Auf antikem Wissensgut von Plato und Aristoteles aufbauend, schien sich die Materie aus vier Elementen aufzubauen, die mit den heutigen Aggregatzuständen der Physik verglichen werden können, wobei diesen vier Elementen unterschiedliche Eigenschaften zugeschrieben wurden:

Erde: trocken und kalt (fest)
Wasser: nass und kalt (flüssig)
Luft: nass und warm (gasförmig)
Feuer: trocken und heiß (plasmaartig)

Aus dieser 4-Elementenlehre wurde dann die „4-Säfte-Lehre“ abgeleitet, in der eine Krankheit als Störung der Körpersäfte angenommen wurde und in der es dann zur Aufgabe des Heilenden zählte, dieses „Gleichgewicht der Säfte“ und damit die Gesundheit wiederherzustellen. Von Hippokrates werden als derartige Körpersäfte genannt: Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle.
Dem heutigen Leser dieses oder anderer „Tacuina Sanitatis“ werden hier manche Mittel und Methoden zu einer gesunden Lebensführung begegnen, die auch heute noch angewendet und praktiziert werden und deren Ursprung bei den „alten Meystern“ der Heilkunst längst vergessen wurde.