Das Sakramentar von Beauvais – Normalausgabe

Los Angeles, J. Paul Getty Museum, Ms. Ludwig V 1, 
Ausstattung:
Die Faksimile-Edition des Sakramentars von Beauvais erscheint in der Reihe Codices Selecti als Band CXVII und gibt die Handschrift mit 10 Folios vollständig im Originalformat von
23,2 x 17,8 cm mit originalem Lagenverlauf sowie getreuem Randbeschnitt und bis ins kleinste Detail farbgetreu wieder. Die intensiven Farben der Miniaturen und Textzierseiten werden getreu dem Original wiedergegeben.

Reiche Ausstattung in Gold und Silber

Auf nur 10 Blättern weist das Handschriftenfragment insgesamt zwei Miniaturseiten und sechs Textzierseiten auf. Der phantastische Schmuck in strahlenden Farben wird durch die überreiche Verwendung von Gold und Silber noch veredelt.

Die Normalausgabe

Alle Gold- und Silberauflagen werden in farbgetreuem Foliengold und -silber wiedergegeben. Die Normalausgabe ist weltweit streng auf nur 444 Exemplare limitiert.

Der Kommentarband: Ihr Schlüssel zur Handschrift

Der wissenschaftliche Kommentar wird von Dr. Elizabeth C. Teviotdale (Michigan) erarbeitet und beleuchtet die Entstehung und Geschichte der Handschrift ebenso wie ihr historisches Umfeld.
Der Kommentarband wird zweisprachig in Deutsch und Englisch erscheinen.

Die Edition

Die Faksimileblätter werden von einem von Hand gefertigten Koperteinband aus echtem Pergament geschützt. Faksimile und Kommentarband werden gemeinsam in einer edlen Lederkassette geliefert.
Auf Anfrage

Das Sakramentar von Beauvais in der Sammlung des J. Paul Getty Museums in Los Angeles ist eines von zwei aufwendig dekorierten liturgischen Büchern, die sehr wahrscheinlich von einem italienischen Skriptor in Nordfrankreich verfasst wurden. Der anonym gebliebene Schreiber ist vermutlich auch für die buchmalerische Ausstattung der Bände verantwortlich. Von der gesamten Originalhandschrift sind uns nur zehn Blätter überliefert, die man wohl aufgrund ihrer erlesenen Schönheit und der verschwenderischen Verwendung von Gold  – und noch bemerkenswerter Silber – als bewahrenswert erachtete. Unter den erhaltenen Blättern befinden sich drei Seiten, die in Goldschrift auf Purpurgrund beschrieben sind, eine eindrucksvolle ganzseitige Kreuzigung sowie eine ganzseitige Initiale in Gold und Silber und einige kleinere ausgemalte Initialen. Die gesamte Handschrift war den Chorherren der Kathedrale in Beauvais im 17. Jh. als das „Missale des Roger de Champagne“ bekannt. Tatsächlich wurde das Sakramentar vermutlich im Auftrag von Roger de Champagne (+1016) angefertigt, des ersten Fürstbischofs von Beauvais, der auch in einer Eintragung auf einem frühen Einband erwähnt ist. Roger hatte der Kathedrale wertvolle Gegenstände übereignet, darunter das Sakramentar und zwei weitere luxuriöse liturgische Bücher.
 

Das Sakramentar – ein Mess-Gebetbuch

Ein Sakramentar enthält üblicherweise Gebete, wie sie vom zelebrierenden Priester bei der Messe gesprochen werden. Das Sakramentar von Beauvais bewahrt sämtliche eucharistischen Gebete, die das gesamte Kirchenjahr hindurch unverändert bleiben. Unter den wechselnden Gebeten befinden sich auf den überlieferten Seiten jene für die Weihnachtsmessen, für Ostern und Christi Himmelfahrt. Die Handschrift, welche nie mit einer vollständigen Reihe an Sonntagsgebeten aufwarten konnte, war somit eindeutig für besondere Anlässe gedacht. Die Tatsache, dass neben den kanonischen Heiligen und Märtyrern die Namen der Heiligen Quentin und Cassianus neben einem dieser Gebete aufscheinen, legt die Weihe der Kirche im Regularkanonikerstift von Saint-Quentin bei Beauvais im Jahre 1069 als einen dieser Anlässe nahe. Das Stift wurde 1067 von Graf Guy, Bischof von Beauvais, gegründet.
 

Das Geheimnis des anonymen Buchmalers

Der anonyme Buchmaler des Sakramentars von Beauvais war sowohl mit Metallfarben als auch mit herkömmlicheren Pigmenten vertraut und verstand sich auch bestens auf die Feinheiten ausgeklügelten Rankenwerks sowie die überzeugende Darstellung der menschlichen Figur. Das Flechtwerk im Kreuzigungsbild und in der Initiale D für das Osterfest, besteht jeweils aus drei getrennten Ranken. In der Kreuzigung definiert ein einziger durchlaufender Strang das Kreuz und zwei weitere bilden den Rahmen, wobei sich alle drei zu einem schlüssigen Ganzen vereinen. So aufwendig das Flechtwerk auch erscheint – das Hauptaugenmerk der Miniatur liegt auf Jesus Christus und der Rolle, die dem Sohn Gottes in der Heilsgeschichte zukommt. Denn der Maler verstand es meisterlich, sowohl die menschliche Figur – besonders die Muskulatur des Oberkörpers des Gekreuzigten – als auch den Stimmungsgehalt der Szene zu vermitteln.
 

Ein italienischer Schreiber in Frankreich

Die Hand des Schreibers des Sakramentars von Beauvais ist auch in einem französischen Evangelistar bezeugt, welches laut Widmungskolophon von einem Skriptor „aus Italien“ verfasst wurde, „dessen intellektuelle Brillanz in allen Bereichen als herausragend zu bezeichnen ist“ (Paris, Bibliothèque nationale de France, MS lat. 1126).
Einige Merkmale seiner Schrift lassen darauf schließen, dass er mit den Mailänder Konventionen vertraut war – sehr wahrscheinlich hat man diesen italienischen Schreiber für die Fertigung von Handschriften nördlich der Alpen engagiert, ganz im Geiste der Zeit, denn etwa im Frankreich der frühen Kapetinger waren ganze Gruppen von Bildhauern aus der Lombardei am Bau der steinernen Kathedralen beteiligt.