Das Losbuch in deutschen Reimpaaren

Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. Vindob. S. N. 2652, Limburg, letztes Viertel des 14. Jh.
Ausstattung:
Entstehungszeit des Codex: letztes Viertel des 14. Jh.s, Limburg.
Faksimile:
Graz 1972. Vollständige farbige Faksimile-Ausgabe der 46 Seiten (23 Blatt) im Originalformat 295 x 200  mm. 2 ganzseitige Miniaturen, alle anderen Seiten mit kleinen Miniaturleisten. Alle Blätter sind originalgetreu randbeschnitten. Einband: Leder, Kopie des Originaleinbandes unter Verzicht auf die Metallbeschläge.

Kommentarband:
Graz 1973. Wissenschaftliche Bearbeitung von W. Abraham, Groningen, 34 Seiten Text, 2 Farbtafeln.
Auf Anfrage

Unser Losbuch gehört zu den ältesten und umfangreichsten, vollständig deutsch gereimten Losbüchern, Sammlungen von Orakelsprüchen zur moralischen Ermahnung oder geselligen Unterhaltung.
Als Ausgangspunkt des Losbuches gelten die Spruchsammlungen, die im antiken Griechenland bei feierlichen Riten verwendet wurden. Im Vorderen Orient kam es nach der Übernahme durch die Griechen vor allem zu einer Weiterentwicklung der Bestimmung des individuellen Schicksals.
 

Zukunftshoffnungen und -ängste?

Mit der Übersetzung arabischer Werke ins Lateinische erwachte im 12. Jh. auch im Abendland wieder das Interesse an der Zukunftserforschung. Schon früh bahnte sich in Deutschland gegen Ende des 14. Jh.s durch die Verschiebung vom reinen Wahrsagetext zu einem mit auch unterhaltendem Charakter ein Wandel in der Funktion des Losbuches an. Die Entstehung unserer Handschrift fällt in diese Übergangszeit. Die Formulierung ihrer Fragen und Antworten bewegt sich im Bereich zwischen ernstem Glauben und Lebensangst einerseits und spöttischer Belustigung andererseits.
Mit dem festen Fragenkatalog, den fertigen Antworten und der einfachen Bedienung, war es auch dem Laien möglich, Losbefragungen durchzuführen. Seine besondere Bedeutung liegt darin, dass in den 1296 Reimpaaren deutlich ein Schwanken zwischen einer Haltung des absoluten Vertrauens in die Gültigkeit des Losbescheides und einer skeptischen, mitunter sogar ironischen Einstellung gegenüber der Möglichkeit, die Zukunft vorherzusagen, bemerkbar ist.